Land spart 50 Zentimeter Bitumen

 
Allgemeine Zeitung
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Einige hundert Meter sind bereits auf fünf Meter ausgebaut, es soll nun laut LBM bei dieser Breite bleiben.
Foto: Manfred Petzholdt

15.02.2012 - BÄRWEILER
Von Gert Schatto

STRASSENBAU Dörfer wehren sich in Brief an Innenminister gegen Pläne des Landesbetriebs Mobilität
2005 baute der Landesbetrieb Mobilität (LBM) gut 700 Meter der damals desolaten Landesstraße zwischen Bärweiler und Meddersheim aus. Auf eine Breite von fünf Metern. Im März 2010 erläuterte der LBM den Ausbau der gesamten Strecke zwischen den beiden Dörfern - auf 5,50 Meter Breite. Im Oktober wurden Bärweiler, Meddersheim und Lauschied informiert: Ausbau auf 4,5 Kilometer für knapp vier Millionen Euro, Breite: 5,50 Meter.

Ein dreiviertel Jahr später kam die kalte Dusche für die Dörfer: Der LBM kündigte an, den Unterbau des bereits 2005 ausgebauten Streckenteils zwar für eine Breite von 5,50 Meter herzurichten, die Fahrbahn aber fünf Meter breit zu lassen. Um Geld zu sparen, weil das Land das Geld für den Seitenstreifen nicht ausgeben will. Der soll dann aus Schotter bestehen.

Die Dörfer nahmen das Nadelöhr nicht hin. Man schaltete Politiker wie die Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Julia Klöckner, ein - ohne Erfolg.

LBM Chef Norbert Olk schrieb Klöckner - „liebe Julia“ - , der Wunsch der Dörfer treffe in seinem Haus zwar „auf vollstes Verständnis, aber dennoch nicht auf Zustimmung“. In Zeiten leerer Kassen sei zu entscheiden, ob Straßen nur in der Länge oder auch in der Breite ausgebaut werden sollen, erklärt Olk der Christdemokratin. Olks Konzept: das Teilstück jetzt so herrichten, „dass eine spätere Verbreiterung bei notwendiger Erneuerung der Deckschicht ohne Abriss möglich ist“. Dass die Strecke als Nadelohr Unfälle geradezu provoziert, glaubt Olk nicht: „Das angesprochene Unfallpotenzial halte ich für vertretbar“, denn das Geld fehle dann an anderer Stelle, und das würde andernorts „für eine größere Verkehrsgefährdung sorgen. Außerdem hat sich die Strecke in der Vergangenheit als eher unauffällig gezeigt“, schreibt Olk an Klöckner.

SO EBBES  vom 14.02.12
Auf ein Neues  

Die Straßenbauämter haben kein Geld mehr in der Kasse, können deshalb selbst dort nicht mehr ausbauen, wo es bitter nötig wäre? Und die Landesregierung streicht die Straßenausbau-Etats zusammen? Kann nicht sein, zumindest nicht zwischen Meddersheim und Bärweiler. Vor knapp sieben Jahren war das Straßenstück von der Höhe Friedenseiche hinunter ins Tal an die Lohmühle erst frisch und teuer mit Steuergeldern ausgebaut worden. Nun geht alles noch mal von vorne los, und das Stück wird nochmal zur Baustelle, weil zur Norm links und rechts einige Zentimeter fehlen. Hört sich irgendwie an wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.


Die Dörfer reagierten. Im Namen auch seiner Kollegen aus Meddersheim und Lauschied schrieb Bärweilers Bürgermeister Hans Gehm Anfang Februar an Innenminister Roger Lewentz. Das Schreiben liegt der AZ in Kopie vor.

Für die Menschen, heißt es in Gehms Brief, sei es nicht nachvollziehbar, warum die seit Jahren geplante und im Landeshaushalt finanzierte Maßnahme plötzlich zusammengestrichen werden soll. Überhaupt nicht versteht man laut Gehm in den Dörfern, dass der Unterbau für 5,50 Meter, das Bitumen aber nun nur noch für fünf Meter gedacht ist. Gehm wüsste gerne, wie hoch die Summe ist, die das Land an gerade mal gut 700 Metern Bitumenstreifen sparen will. Und an den von Olk in Aussicht gestellten späteren Ausbau auf 5,50 Meter „glauben wir eher nicht“, schreibt Gehm dem Innenminister.

Der Bügermeister verweist in seinem Brief an Lewentz auf die Bedeutung der Strecke weit über Bärweiler, Lauschied, Hundsbach und Desloch hinaus auch als Trasse zwischen B 41 und B 420. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels fordert Gehm einen durchgängig guten Ausbau.

Gehm rechnet Lewentz vor, dass das Land mit dem bisherigen Ausbau schon erheblich Geld gespart habe, weil die Baumaßnahme viel schneller vorankam als geplant. Für die Dörfer an der Strecke sei es deshalb „fraglich, ob eine zusätzliche Einsparung in diesem speziellen Fall Sinn macht“. Gehm bittet Lewentz abschließend, den Ausbau noch mal zu überprüfen und ihm das Ergebnis mitzuteilen.

Eine Antwort von Lewentz, sagte Gehm der AZ, habe er bisher noch nicht.

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