Kiosk als Kommunikationszentrum

Bärweiler will in diesem Jahr eine Grundversorgung für die Bürger aufbauen -
2009 kam im Dorfleben keine Langeweile auf
mit freundlicher Genemigung
Öffentlicher Anzeiger
2010 01 10
Hans Gehm am landesweit ältesten Backes aus dem 17. Jahrhundert: bis 1960 voll genutzt, 1980 unter Denkmalschutz gestellt, dann renoviert und erneut genutzt.
Foto: Hey 3 S0201janl

10. 01. 2010 - BÄRWEILER

Kann in Bärweiler eine Grundversorgung für die Bürger aufgebaut werden? Mit dieser Frage setzt sich die Gemeinde in einem Pilotprojekt des Landes im kommenden Jahr auseinander. Die rührige Einwohnerschaft blickt wieder auf ein abwechslungsreiches Jahr zurück und hat das nächste Großprojekt schon vor Augen.

VG BAD SOBERNHEIM. Viele verschiedene Veranstaltungen ließen 2009 in Bärweiler keine Langeweile aufkommen. Ein Feuerwerk der Jugend hieß das neue Jahr willkommen, im Februar hatten die Landfrauen zu einem Kannegießer-Abend eingeladen, die Nachtwanderung des Feuerwehr-Fördervereins im März war ebenfalls eine runde Sache. Besonders haben sich Ortsbürgermeister Hans Gehm und seine Bürger aber im April über das neue Tragkraftspritzenfahrzeug für die Feuerwehr gefreut, das durch die großzügige Unterstützung des Fördervereins zusätzlich mit einem Wassertank ausgestattet werden konnte. »Für den direkten Einsatz ist das sehr wertvoll", so Gehm. Schließlich könne die Bad Sobernheimer Wehr nicht innerhalb von sieben Minuten in Bärweiler sein.

Traumergebnis für Gehm
Bei einer Besichtigung durch die Kreiskommission „Unser Dorf hat Zukunft" belegte die Gemeinde den ersten Platz - nach zwölfjähriger Abstinenz am Wettbewerb war im Juni aber die Enttäuschung doch groß, als die Bezirkskommission Bärweiler nicht unter den ersten vier Teilnehmern einstufte und somit Schluss war. Trotzdem soll in zwei Jahren ein neuer Versuch gestartet werden.

Mit einem Traumergebnis von 97 Prozent wurde Gehm bei der Kommunalwahl im Amt bestätigt, er und sein alter Ortsgemeinderat fühlten sich durch die Ergebnisse in ihrer Arbeit bestärkt.
Beim Dorffest im Juni erfreute ein nostalgisches Karussell die Kinder, zwei Tanzgruppen und ein Kasperletheater wurden ebenfalls geboten.
Eine neue Gruppe Jugendlicher hat den Bauwagen und die Spielgeräte übernommen, wirkte bei der Runderneuerung der Geräte und dem Anstrich des Wagens mit und überarbeitete mit der Gemeinde die Hausordnung.

Rechtzeitig vor dem Backesfest wurden wieder 13 000 Bilder von Bärweiler in den neuen Kalender für 2010 geklebt und am Fest verkauft. Spontan kam auch der Be-schluss des Ortsgemeinderates, den Backes zu überholen. Innerhalb von 14 Tagen wurde ein Gerüst aufgebaut, der alte Putz entfernt, ein neuer aufgetragen und das Gerüst kurz vor dem Fest am 6. September wieder abgebaut. „Viele fleißige Helfer packten da mit an", schildert Gehm.
Eine von den Landfrauen für das Fest entworfene Grußkarte mit Motiven aus Bärweiler kam so gut an, dass die Gemeinde zu Weihnachten eine zweite Karte herausbrachte.
Fleißig hatten die Kindergottesdienstkinder Gaben für den Erntedankgottesdienst gesammelt, die später von der Kimer Tafel abgeholt wurden.
Sportler des TV Bärweiler gründeten auf Initiative von Werner Herzog eine Wandergruppe, die künftig an jedem dritten Wochenende im Monat eine Tour anbieten möchte. Außerdem stieß der Sportverein mit seinem Anliegen, einen Bouleplatz einzurichten, auf offene Ohren: Die Gemeinde fasste sofort ein Gelände hinter dem Friedhof ins Auge, eine schöne Baumanlage, Haltepunkt beim Dorfinfopfad und Standort der Einheitslinde, an der sich eine Bank gut machen würde.

Ein großer Martinsumzug und der erste Nikolauskaffee im Haus am Dorfplatz waren weitere Höhepunkte. Hans-Joachim Thon brachte neben der Weihnachts- und Neujahrswunschkarte auch noch eine schöne Ausstechform des „Langensteini", des Maskottchens der Ortsgemeinde,mit.
Im kommenden Frühjahr werden die nächsten Infotafeln für den Dorfpfad erstellt, und angesichts der vielen Gruppen, die sich am Bündelchestag die Erbsensuppe des Feuerwehr-Fördervereins schmecken ließen, hofft Gehm, dass auch der Dorfinfopfad Interessierte anlockt, wenn einmal im Monat Kaffee und Kuchen angeboten wird. Der Bewilligungsantrag liegt vor, das Projekt wird zur Hälfte bezuschusst. Die andere Hälfte trägt Bärweiler.

Pilotprojekt ist in Planung.

Als Pilotgemeinde für ganz Rheinland-Pfalz darf sich die Ortsgemeinde auch über einen Zuschuss von 80 Prozent für ein besonderes Vorhaben freuen: Ist es möglich, in Bärweiler eine Grundversorgung für die Bevölkerung aufzubauen und zu erhalten? So lautet die Fragestellung. Nachdem die Verbandsgemeinde sich bereit erklärt hat, ebenfalls einen Teil der Kosten zu tragen, muss Bärweiler selbst dafür noch 1300 Euro aufbringen. Ein Markttag, ein Kiosk, der gleichzeitig Kommunikationspunkt ist, die Nutzung von Gemeinderäumen für Friseur, Hausarzt, Fußpflege... -all dies ist im Gespräch.
Um sich zu organisieren wird das Internet immer wichtiger - daher wird gerade im Gemeindehaus ein PC-Schulungsraum eingerichtet, in dem junge Menschen älteren Mitbürgern Grundkenntnisse vermitteln und dafür vielleicht bald erfahren, wie man zum Beispiel Socken strickt.

„Nicht leicht gemacht" hat es sich die Gemeinde mit dem Verkauf des Sportplatzes, der von Januar an landwirtschaftlich genutzt wird. Doch es habe keine Alternative gegeben. Neben der Grundversorgung und dem Dorfinfopfad, die Bärweiler das ganz Jahr begleiten werden, sind im April drei Theaterabende geplant, der kleine Spielplatz soll überarbeitet werden, die Bühne im Gemeindehaus renoviert werden. (sou)

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