Fußballvereine immer öfter im Abseits

Bei FSV Staudernheim, SV Weiler und OSC Bad Sobernheim wird schon lange nicht mehr gekickt Bärweiler bietet Sportplatz und Klubheim zum Verkauf
mit freundlicher Genemigung
Öffentlicher Anzeiger
2009 04 03
Die Rolläden am TV-Klubheim in Bärweiler sind längst heruntergelassen. Fußball wird auf dem Sportplatz auch schon lange nicht mehr gespielt. Früher hatten die Gegner stets Bammel, in Bärweiler antreten zu müssen. Ein Grund war der stets böige Wind, mit dem die Kicker zurecht kommen mussten. Außerdem war die "rote Erde" ein schlecht zu bespielender Untergrund. Aber auch davon ist nichts mehr zu sehen. Längst ist Gras auf dem gesamten Gelände gewachsen. Platz und Sportlerheim stehen seit letztem Jahr zum Verkauf. Die Ortsgemeinde ist weiterhin auf der Suche nach Interessenten.
Foto: Andreas Nitsch S0304ni1

03. 04. 2009 - BÄRWEILER

Nintendo, Playstation, Handy, DVD-Rekorder & Co.- nimmt man's genau, sind dies die natürlichen "Feinde" eines jeden Sportvereins. Besonders Fußballklubs leiden unter den technischen Fortschritten in der Unterhaltungsindustrie.

VG BAD SOBERNHEIM. Die "Bause-Buwe" - Thomas, Martin und Stefan sind nur drei von ihnen - waren wackere Säulen des FSV Staudemheim. Heute gibt es den Verein nicht mehr. Auch der viel ältere Lokalrivale, VfL Staudemheim - hier kickten einst VG-Bürgermeister Rolf Kehl und Staudemheims Ex-Dorfchef Rolf Köberlein -, hat kein Fußballteam mehr. Und die - zwar nicht unbedingt glorreichen - Fußballzeiten des SV Weiler (man erinnere sich an Wolfgang Pies) oder die des OSC Bad Sobernheim (mit Werner Konrad, Horst Rothe und Arno Bregenzer) sind längst Geschichte.

Der SC Odernheim (der Name Walloch ist jedem Fußballfan auch heute noch ein Begriff) hat mittlerweile mit dem TuS Duchroth fusioniert - und die SG Seesbach (stark auch: Torjäger Volker Gans) mit dem FSV Schwarzerden.

Der VfL Pferdsfeld-Eckweiler (unvergessen: Horst Kreuscher, Sohn Manfred Kreuscher, Achim Giloy oder Gernot Bohn) lebte in dem neuen SC Bad Sobernheim weiter, der allerdings nun selbst auch vor dem Aus steht. Man fasst es kaum: Die Landesliga-Aufsteiger von 2004, Murat Yasar, Björn Büttner, Kai Schatto und Matthias Bregenzer - alles Sowwerumer Jungs - schnüren mittlerweile für den Dauerivalen FC Viktoria Merxheim die Kickschuhe.

Besonders Fußballvereine haben es in der heutigen Zeit schwer, Computer, Spielekonsolen, Handys und der andere Schnickschnack sind längst mehr als nur kurzlebige Konkurrenzerscheinungen. Die demografische Entwicklung - sprich: Geburtenrückgang - tut ihr Übriges.

Das spürt auch der TV Bärweiler. Einst zuckten die Fuballer im Kreis zusammen, wenn sie hörten, dass sie auf dem Hartplatz des TVB anzutreten haben. Der unberechenbare Wind und der ungewohnte Untergrund waren den meisten Spielern ein echtes Gräuel. Einmal konnte in dem Dörfchen am südlichen Rande der Verbandsgemeinde sogar die Meisterschaft bejubelt werden. 1974 war das - unter Regie des legendären Trainers Helmut Schnorrenberger, der heute Beigeordneter in Langenlonsheim ist.

Aber längst schon zirkelt Harald Skär - selbst einige Jahre Präsident des Klubs - keine Freistöße mehr in die gegnerischen Winkel, längst "vernascht" Erhard Geiß keine Gegenspieler mehr, und auch Andreas Schlarb wuselt nicht mehr flink durch die Strafräume. Fusionen mit den Vereinen in Lauschied und Limbach haben die Entwicklung kurz verzögert, doch vor drei Jahren sind auch in Bärweiler die Fussballlichter ausgegangen. Mehr noch: Die Pacht für Klubheim und Sportplatz lief im vergangenen Jahr aus und wurde - mangels Interesse seitens des TV — nicht mehr verlängert. "Die Unterhaltungskosten waren einfach zu hoch, erklärt Hermann Skär, Zweiter Vorsitzender", Er wäre froh, würde das runde Leder auch weiterhin am Waldrand von Bärweiler rollen. Doch die Luft ist raus. Enkel Leon (13) tritt mittlerweile fur den TuS Monzingen gegen die Kugel - wie auch seine Cousins Manuel und Fabian.

Bei dem Gedanken an die Auswärtsfahrten zu Spielen der Enkel kommt Hermann Skär ins Grübeln. Manche Vereine haben Umkleidekabinen, das sind wahre Drecklöcher. Bei uns ist noch immer alles in Schuss. Es ist einJammer, sagt er. Dass das Sportheim noch intakt ist, haben offenbar auch einige Spitzbuben mitgekriegt, denn erst kürzlich wurde die Dachrinne komplett abmontiert und gestohlen.

Derzeit sucht die Eigentümerin, die Gemeinde, einen Käufer für das herrlich an der Straße nach Meisenheim gelegene, 15000 Quadratmeter große Areal - samt Fußballplatz, Bewirtschaftungsgebäude, Grillstelle und Sanitäranlagen. Zu diesem Schritt hat auch die Kommunalaufsicht in Bad Kreuznach geraten. 10 000 Euro sind die Basis für Verhandlungen. Ehemaligen Fußballern indes kommen die Tränen.

Der TVB jedoch, er lebt noch - wie gesagt: noch. Doch der Mitgliederschwund ist beträchtlich. Binnen eines Jahres ist die Zahl der TVB-Anhänger von 78 auf 52 abgestürzt, berichtet Vorsitzende Maria Bartels. Das ist ein Drittel Verlust. In dem 1921 gegründeten Verein gibt es gerade mal noch eine aktive Gruppe: das Frauenturnen. 16 Damen machen mit. Das Durchschnittsalter liegt jenseits der 60 Jahre. Immerhin soll jetzt eine Jugendturngruppe ins Leben gerufen werden. Die Initiatorin absolviert derzeit eine Ausbildung als Übungsleiterin. Aber kann das den Verein noch retten?

Eher nicht. Eins steht wohl fest: Fußball wird in naher Zukunft in Bäweiler nicht mehr gespielt. "Wenn schon der große SC Sobernheim keine Mannschaft zusammenbekommt, wie sollen wir das denn schaffen?" fragt nicht ganz unberechtigt Vorsitzende Maria Bartels.

Andreas Nitsch

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