Mit der Besiedlung eines Landstriches sind auch Flurnamen entstanden. Flächen- und Raumteile einer Mark *) brauchten Namen als Orientierungshilfe für die Bewohner untereinander. Sie gliedern eine Gemarkung nach unterschiedlichen Gesichtspunkten, die sich auf Landschafts- und Nutzungsformen ebenso beziehen wie auf charakteristische Merkmale, wie Bodenbeschaffenheit, geländeformen, Lage und Ausdehnung. Erfasst wurden davon Täler und Berge, Wälder, Äcker und Wiesen, Wege und Anlagen zu besonderen Zwecken ( Pflanzgarten, Schindanger ** usw. ).

Sie sind ein untrennbarer Bestandteil der Ortsgeschichte und künden von früheren Bestimmungen und Bedeutungen, von ehemaligen Herrschaftsbesitz, von aufgegebenen Siedlungen, früheren Gewerben ( Ziegelhütte ), Berufen und Personen. Flurnamen lassen uns wissen, wie es an irgendeiner Stelle der Gemarkung ausgesehen hat, was man dort machte und wozu Teile genutzt wurden. So kann z.B. als sicher gelten, dass Gräben innerhalb der Gemarkung durch Lehmausbeute für den Bau von Wohn- und Wirtschaftsgebüden entstanden sind.

Flurnamen sind nicht in einem Schöpfungsvorgang geboren worden. Die ältesten reichen in die Zeit zurück, als vor der Zeitenwende der heimatliche Raum von Kelten bewohnt war. Andere sind später mit der Ausweitung der Nutzungsflächen, mit dem Ausgriff in die weitere Umgebung entstanden und ermöglichen es, den Raum für alle überschaubar zu machen.

Eine Erklärung ihrer Bedeutung ist in der Regel schwierig. In einzelnen Fällen widersetzten sie sich jeder Deutung, wenn sie im Laufe der Zeit eine Veränderung erfahren haben. An ihren Bedeutungskern ist in der Regel nur heranzukommen, wenn die ältesten Formen in Schriftstücken erhalten geblieben sind. Viele sind willkürlich, aber nicht absichtlich verändert worden. Ältere Schriftstücke, Urkunden und Verträge mussten zu den verschiedensten Zwecken mehrfach abgeschrieben werden. Dabei erfuhren die nicht immer gut lesbaren oder von ihrem Wortsinn schwer verständlichen Eigennamen Veränderungen bis zur totalen Verstümmelung. Dafür nur einige Beispiele:

Aus Läusbühel wurde Leisweiler,

aus Reichenthal Reinigendell,

aus Röttgestränke Rädchen.

Richtige ursprüngliche Namen können manchmal ermittelt werden, wenn man sich das frühere Aussehen der bestimmten Örtlichkeit vorstellt. Dann wird plötzlich aus dem scheinbar bedeutungsvollen Ritterstich schlicht und einfach Riederstich. Andere Flurnamen haben einen Doppelsinn: so kann Brühl sowohl einen nassen Wiesenbezirk wie auch einen früheren herrschaftlichen Besitz bezeichnen. Die Art der Einordnung ist einen von vielen möglichen.

*) Etymologie

Der Begriff der Mark im Sinne von Grenze oder Grenzregion findet sich in vielen indogermanischen Sprachen.

Das Wort Mark geht ebenso wie das persische marz/marč und armenische mars sowie das lateinische margo und das altirische mruig etymologisch auf die indogermanischen Wurzeln *mereg-, *mrog- „Rand, Grenze“ zurück. Das gemeingermanische *markō entwickelte sich zu mitteldeutsch marka, oberdeutsch marcha, altsächsisch marka, angelsächsisch mearc sowie altnordisch merki und mörk. Aus dem lateinischen margo abgeleitet ist in den romanischen Sprachen das italienische margine, das spanische margen, das portugiesische margem und das französische marge. Das italienische und portugiesische marca sowie das französische und italienische marche sind dagegen über das lateinische marchia – ebenso wie das polnische marchia und das russische марка – aus dem Germanischen entlehnt.

Das Wort bedeute eigentlich „Grenze“. Heute wird es fast nur noch in Zusammensetzungen, Ableitungen und Namen gebraucht, vgl. Markstein „wichtiger, hervorragender Punkt“, Marchstein „(schweizerisch für) Grenzstein“, Gemarkung „Gesamtgebiet einer Gemeinde, Gemeindeflur“, übermarchen „(schweizerisch für) eine Grenze überschreiten, übertreiben“ und Mark Brandenburg (ursprünglich im Sinne von „Grenzgebiet Brandenburg“, nämlich an der Grenze zu den Slawen) sowie Steiermark.

**) Als Schindanger (auch Schindacker) bezeichnete man einen gemeinschaftlichen Platz eines Dorfes bzw. Stadt, den Anger, auf dem das tote Vieh gehäutet und die Tierkadaver verscharrt oder Aasfressern überlassen wurden. Der Name stammt vom Schinder ab, der für die Beseitigung und Häutung der Tiere zuständig war. Früher wurde totes oder krankes Vieh, das zum Abdecker (Schinder) gebracht wurde, als Schindluder bezeichnet. In Deutschland sind solche Schindanger seit Ende des 19. Jahrhunderts verboten. In Südeuropa und anderen Regionen der Welt gibt es immer noch Schindanger. Bekannt sind insbesondere die Schindanger Spaniens, Muladares genannt.

Der Schindanger diente auch zur Verscharrung von Menschen, die hingerichtet worden waren oder denen nach christlichem Verständnis keine christliche Bestattung zuteilwerden durfte (z. B. Suizidenten und Prostituierten). Auch Schauspielerei galt nicht als ehrbarer Beruf.

Moderner Nachfolger des Schindangers ist der Wasenplatz.

Nicht zu verwechseln ist der Schindanger mit dem Luderplatz, einer jagdlichen Einrichtung und Fütterung für verschiedene Greifvögel und Raubtiere.

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