Affentheater begeistert

Freie Theatergruppe präsentiert neues Stück
mit freundlicher Genemigung
Öffentlicher Anzeiger
2010 04 12 thumb
Die Bärweiler Theatergruppe präsentierte ihren Zuschauern einen mitreißenden Schwank: „Ein Affe kommt selten allein" zeigte den ganz normalen Wahnsinn in Vordergasse des Ortes. Hier läuft alles drunter und drüber, erst recht als ein Besucher mit seinem unsichtbaren Affen anreist.
Foto: Bernd Hey

12. 04. 2010 - BÄRWEILER (hey)

Die Mitglieder der Bärweiler Theatergruppe trieben ihrem Publikum die Tränen in die Augen. Es handelte sich um Lachtränen, verursacht vom mitreißenden Spiel der Mimen.

Die Zuschauer warten alle zwei Jahre sehnsüchtig darauf, dass sich im Bärweiler Bürgerhaus der Vorhang hebt. Die Komödie „Ein Affe kommt selten allein" entpuppte sich bei der Premiere im ausverkauften Bürgerhaus als Glücksfall. Die Laienschauspieler begeisterten mit ihrer leidenschaftlichen Spielfreude. Die Zuschauer hielten sich den Bauch vor Lachen und hatten Tränen in den Augen.
Lust auf das Spektakel weckten Laura Bier und Sarah Gehm mit einem einleitenden Sketch. Die Kinder machen es sich wie in einer großen Familie auf Teppichen vor der Bühne bequem. Die Handlung haut zwar niemanden wirklich vom Hocker, doch die Akteure hauchen ihren Figuren gekonnt Leben ein.
Textsicher und ohne Lampenfieber überzeugten sie von der ersten Minute an: Es geht um den ganz alltäglichen Wahnsinn in der Bärweiler Vordergasse, wo der Gemischtwarenladen samt Metzgerei aufgrund Wirtschaftsflaute mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Deren Betreiberfamilie Hartz wird von Michael Bier, Silke Hartmann und Nathalie Fuhr verkörpert. Letztere ist als Metzgerlehrling völlig fehl am Platz. Sie lässt nämlich die Schlachttiere alle wieder laufen und schreit wie von einer Tarantel gestochen, weil das Kälbchen mit den „großen treuen Augen" plötzlich nicht mehr da ist.
Durch diesen Schreck schneidet sich die trutschige Verkäuferin (Laura Bier) in den Finger. Carola Bier mimt die einfältige Magd Bärbel. Als stotternder Nachbar wird Hans Gehm von seiner als Dorf tratsche bekannten Frau (Liane Goldschmidt) wegen jeder Kleinigkeit zum Einkaufen geschickt. Im munteren Reigen leidet Bärweilers tatsächlicher Ortsbürgermeister Hans Gehm nicht nur an einem extremen Sprachfehler, sondern an der Boshaftigkeit seiner Frau.
Mitten ins turbulente Bühnenbild radelt mit dem Dienstrad die mitteilsame Postbotin Ilona Heib und bringt meist Hiobsbotschaften vom „Sowwerumer" Amtsgericht. Absender ist Gerichtsvollzieher Daniel Gehm, der im Verlauf des Stückes fleißig den Kuckuck als Pfandsiegel klebt. Mit Voliere und dem unsichtbaren Papagei „Fridolin" belebt Thomas Franzmann ebenso das muntere Treiben wie Marcus Fries. Dieser gilt als armer Irrer, der mit seinem unsichtbaren Affen Charly reist. In Mundart ist derbes und schnörkelloses „bärwäller Platt" angesagt.
Fantasie und Vorstellungskraft waren gefragt: Es war schon etwas ganz Besonderes zu sehen, wie sich Marcus Fries mit seinem eingebildeten Haustier unterhält. Als dieses Ende des zweiten Aktes von der radelnden Postbotin überfahren wird, geht so richtig die Post ab und die Akteure laufen zur Höchstform auf. Letztlich gibt es aber ein Happy End.

„Der Gemeinderat tagt" hieß im Mai 1992 der zur Einweihung des Bärweiler Bürgerhauses aufgeführte Schwank. Dieser gilt als die Geburtsstunde der freien Theatergruppe.
Marion Fuhr kümmert sich und organisiert hinter den Kulissen. Weiterer Dank galt Günter Theobald (Film und Ton), den Bühnenbauern Hans Joachim Thrun und Waldemar Zietek sowie der Souffleuse der Gruppe Elke Gehm. (hey)