"Der Jungbrunnen" - ein Stück mit Witz

Darbietung Gespannte Erwartungen der Fans begleiten die neuen Aufführungen der Bärweiler Theatergruppe

Rhein Zeitung
2018 04 08 Der Jungbrunnen klein

Ist der Plan der Fremden, Dr. Gertrude von Ebeling und Dr. Franz von Schönberg, tatsächlich eine Rettung aus klammer Lage für die beiden Brunnenanrainer, Wirtin Alma Rogensack und Gemüsehändler Johann Kracher? Ein Schnäpschen soll es richten. Opa Roggensack (Hans Gehm, links) versucht unterdessen, sich einen Uberblick über die Lage zu verschaffen.
Foto: Wilhelm Meyer

Von unserem Mitarbeiter

Wilhelm Meyer

• Bärweiler. "Der Jungbrunnen" heißt das neue Stück, das die Bärweiler Theatertruppe ihren treuen Fans weit über Bärweiler hinaus diesmal zu bieten hat. Und Fans gibt es viele. Drei Aufführungen braucht's da schon, um für alle, die sich den Theaterspaß der Bärweilerer Truppe nicht entgehen lassen wollen, einen Platz im Bürgerhaus zu garantieren.

Jetzt war Premiere, und die war ein Kracher. Es geht um einen Brunnen, der wohl auf der Grenze der Grundstücke der Wirtin Alma Roggensack, gespielt von Silke Hartmann und ihres Nachbarn, des Gemüsehändlers Johann Kracher

alias Michael Bier, steht. Wo genau, war zuvor nie von Bedeutung gewesen. Doch als die zwei Hochstapler Dr. Gertrude von Ebeling und Dr. Franz von Schönberg auftauchen und den Anrainern Roggensack und Kracher weismachen, dass es sich bei dem in Bruchstein gefassten Tümpel auf ihrem Hof um eine Goldgrube handelt, ist das keineswegs mehr egal. Nur zu verständlich, denn beiden geht es nicht gerade gut. Wenn man sich nicht gegenseitig einladen würde, bliebe es auf ihrem Hof ziemlich ruhig. Auch Nachbarin Herta Jansen, gespielt von Carola Bier, vom Publikum mit lautstarkem Auftrittsapplaus empfangen, vermag daran wenig zu ändern. Schon gegen Ende des ersten Aktes haben die Roggensacks und die Krachers den beiden windigen Gestalten, gespielt von Ilona Heib und Thomas Franzmann, je 2000 Euro für ein Blatt Papier bezahlt. Auf diesem, den beiden als Expertise verkauft, werden dem Brunnen außerordentliche Heilkräfte bescheinigt. Der Streit um die Grenze ist erst einmal nachrangig, versprechen sich doch alle ein riesiges Geschäft. Einzig Opa Roggensack, Schwiegervater von Alma, der für ein Bier, einen Wein, oder einen Schnaps alle Fünfe grade sein lassen würde, behält den klaren Kopf. Schließlich streckt selbst die Sonnenblume vor Roggensacks Wirtschaft alle viere von sich, als sie der Opa mit Wasser aus dem Jungbrunnen begießt.

Das Wer-kriegt-wen" kommt bei diesem kriminellen Spuk um zu betrügende Betrüger allerdings ebenfalls nicht zu kurz. Schließlich hat Krachers Sohn Hannes alias Alexander Hartmann ein Auge auf Tine Roggensack, die Nichte von Herta, geworfen. So richtig geneigt allerdings scheint Tine, gespielt

von Isabel Blum, anfangs nicht.

Spannend also bleiben gleich zwei Fragen: Kriegen sich Hannes und Tine, und kommen Herta und Johannes aus diesem betrügerischen Abenteuer noch heraus?

Mit einem riesigen Schwung hat Regisseurin Anette Franzmann das Stück auf die Bärweiler Bühne gebracht. Im Hof mit idyllischem Bühnenbild geht spätestens ab dem (nur zu hörendem) Aufbrausen des Sportwagens der beiden Hochstapler die Post ab. Und ob Opa Roggensack wirklich noch fit genug ist, eine Wende herbeizuführen, bleibt lange fraglich. Seine umjubelten Auftritte zu Beginn sind zwar großartige Slapsticks, auch blitzt dabei sein Witz hervor,

doch auch die beiden 'Von-und -Zus', allen voran Dr. Gertrude von Ebeling, haben es schließlich faustdick hinter den Ohren. Behält also der Opa den Überblick? Auch fragt man sich, welche Fährte das kleine komische Vorspiel, der Sketch um eine Rechenaufgabe in der Familie, hat legen sollen. Der Vater, gespielt von Daniel Gehm, liest die Zeitung mit dem unübersehbaren Titel "Verdammte Demenz"  Zum Einstimmen aufs Lachen hat der von Laura und Lena Bier im Wechsel und Alma Heib als Kind köstlich vorgetragene Vorgeschmack

allemal bestens gedient; und mit wenigen Sätzen war das Publikum über die Lage im folgenden Stück dann aufs Laufende gebracht. Zu erwähnen bleiben Elke Gehm, die als Souffleuse bei so präsenten Schauspielern kaum eingreifen

musste, wohl aber für Sicherheit sorgte. Miriam Brühl und Elena Hartmann haben bei der Maske des Opas Bestes geleistet, und Thomas Hartman hat in der Technik die Auftritte der beiden Hochstapler grandios mit seinem gezielten

Motorenlärm unterstützt.

- Spannend genug bis zum überraschenden Schluss bleibt das Geschehen auf der Bühne. Da können die Theatermacher mit zwei Pausen auch dem Geselligen dieses Theaterereignisses seinen gehörigen Platz zukommen lassen, ohne ein Abflauen des Interesses zu riskieren.




 

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