Bärweiler glaubte, die Welt geht unter

Unwetter richtete viel Schaden an: Blitz zerstörte Kirchturm, Telefone und Elektrogeräte
Allgemeine Zeitung
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Blitzschlag zerstörte den Turm der katholischen Kirche (linkes Bild). Schiefer und sogar Bleiteile aus der Turmspitzeflogen über hundert Meter weit. Eugen Reidenbach (rechts) fand welche in seinem Hof. Bei Ellrichs (oben) zerstörte der Blitz das Telefon — direkt neben dem schlafenden Sohn auf derCouch.
Bilder: Paul Bregenzer

30. 04. 1988 - BÄRWEILER

pb - Am Donnerstag nachmittag glaubten viele Bärweilerer, es habe ihr letztes Stündlein geschlagen. Ein gewaltiges Krachen erfüllte die Luft. Aus schwarzen Wolken zuckten Blitze hernieder. Plötzlich ein Donnerschlag — und Scherben von Schiefer und Glas flogen durch die Luft. Ein Blitz hatte den niedrigen Turm der 218 Jahre alten katholischen Kirche "St. Johannes der Täufer" getroffen. Der Glockenstuhl war seines Witterungsschutzes beraubt. Im Inneren durchschlug der himmlische Feuerstrahl über der Orgel das Gewölbe, hinterließ ein Loch von vierzehn Zentimetern Durchmesser und riß in seiner elektrischen Überdosis alle Stromleitungen aus der Wand.

Vermutlich war es auch Stromschlag, der in Bürgermeister Germanns Stall eine Kuh tötete. Zahlreiche elektrische Geräte im Dorf wurden blitzgeschädigt. Warmwasserbereiter explodierten, und bei Karl-Heinz Ellrich in der Hauptstraße — er ist Nachbar der Kirche — knallte die Telefonsteckdose, zerfetzte der Blitz die Strippe und das Telefon fiel herunter. Alles nur Zentimeter neben dem schlafenden, dreijährigen Sohn Sascha auf der Couch.
Unmittelbar nach dem Getöse setzte Regen ein. "Zum Glück", sagte uns gestern Pfarrer Dr. Felix Terschlüsen aus Lauschied, der die Katholiken in der Diasporagemeinde betreut. Aus dem Kirchendachstuhl war schon Qualm aufgestiegen, und das Regenwasser löschte den entstehenden Brand selbsttätig. Man hatte zwar die Feuerwehr per Sirene alarmieren wollen, doch die Sirenenleitung geht über das postalische Netz, und das war ja auch getroffen. Pfarrer Terschlüsen teilte mit, daß ein Sobernheimer Dachdecker das im reinen nordischen Barock errichtete Gotteshaus regendicht macht und Unfallgefahren, wie lose Schieferplatten und geborstene Fensterscheiben, beseitigt. In Absprache mit dem Trierer Generalvikariat werden dann die endgültigen Reparaturarbeiten, auch der Risse im Gemäuer, besprochen.

Der Post waren bis gestern 25 Vollstörungen gemeldet worden, auch im nahen Becherbach. Sieben Techniker vom Sobernheimer Fernmeldebautrupp wirkten bis gestern abend, um die Störungen zu beseitigen, teilte Postsprecher Ubl mit. Insgesamt dürfte am Donnerstag um 16.15 Uhr binnen weniger Minuten ein Schaden von mehreren hunderttausend Mark entstanden sein.


 

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